Permalink

0

Bäume lesen: Tristan Gooley weiß, wie’s geht

Bis zu zu 25 Meter hoch wird ein Japanischer Schnurbaum, Stammdurchmesser von mehr 1,5 Metern sind keine Seltenheit

Bis zu zu 25 Meter hoch wird ein Japanischer Schnurbaum, Stammdurchmesser von über 1,5 Metern sind keine Seltenheit

Auf dem Weg in die Stadt kommen wir seit vielen Jahren an einem großen und ausladenden Baum vorbei. Zu jeder Jahreszeit ist dieser Baum, den wir immer im Vorbeilaufen wahrnehmen, so schön wie beeindruckend. Dass es sich um einen Japanischen Schnurbaum handelt, das wussten wir bis vor einer Weile noch nicht.

Bis ich vor ein paar Wochen das Buch „Die Landkarte der Bäume“ von Tristan Gooley gelesen habe. Gooley, Jahrgang 1973, ist Brite und lebt mit seiner Familie in West-Sussex, wenn er nicht gerade irgendwo auf der Welt die vergessene Kunst der natürlichen Navigation (ohne Karten, ohne Kompass, und schon gar nicht mit Google Maps) lehrt.

„Bäume möchten uns so vieles mitteilen. Sie berichten uns von der Erde und vom Wasser, von Menschen und Tieren, vom Wetter und der Zeit. Und sie berichten von ihrem Leben mit seinen Höhen und Tiefen. Bäume erzählen Geschichten, aber nur denjenigen, die wissen, wie man sie liest.“

„Die Landkarte der Bäume“

So heißt Tristan Gooleys neues Buch, das gerade bei Dumont erschienen ist, von Sofia Blind sehr gut übersetzt. Auf knapp 350 Seiten breitet Gooley sein enormes Wissen über Bäume und über die natürliche Navigation mit deren Hilfe aus. Man kann sich diese Fülle an Fakten natürlich nicht in ihrer Gänze merken. Aber eines kann ich versprechen: Wer dieses Buch gelesen hat, wird auf seinen Spaziergängen Bäume mit anderen Augen betrachten.

Bäume versuchen, sich in den Kronen nicht zu berühren: man nennt das Kronenschüchternheit

Bäume versuchen, sich in den Kronen nicht zu berühren: man nennt das Kronenschüchternheit

Bäume reagieren auf ihre Umgebung, auf Wind, Boden, Licht, Wasser, andere Bäume und natürlich auf menschliche Eingriffe. Folgt man Gooley auf seinen lehrreichen Streifzügen durch die Natur, kann man diesem Baumflüsterer quasi über die Schulter schauen und lernt, Bäume zu lesen – zumindest ein wenig. So werden die sichtbaren Reaktionen eines Baums auf seine Lebensbedingungen auch für uns Laien wenn nicht zu einer Landkarte so zumindest doch zu Orientierungshilfen im Gelände.

Wenn ein Waldstück klein genug ist, sollten Sie es umrunden und darauf achten, wie sich alle paar Schritte die Astlängen und der Charakter des Waldrandes verändern.

Windkanaleffekt und Kronenschüchternheit

Kronen, Blätter, Äste, Wurzeln, Wind, Stamm, Rinde: Stück für Stück zeigt uns Gooley die prägnanten Besondernheiten von unterschiedlichsten Bäumen. Und als Leserin/Leser freut man sich, wenn man beim nächsten Waldspaziergang die eine oder andere Besonderheit wiedererkennt.

Ein Weißdorn kann bis zu 8 Meter hoch werden und kommt auch mit schwierigen Bedinungen zurecht

Ein Weißdorn wird bis zu 8 Meter hoch und kommt auch mit schwierigen Bedinungen zurecht

Den Windkanaleffekt kann man gut an Bäumen beobachten, die der Wind immer von der selben Seite trifft. Der Baumwipfel biegt sich in die Richtung, in die der Wind vorwiegend bläst. Auf dem Foto, das auf den Klippen der Seven Sisters in England entstanden ist, bläst der Wind meist von Südwesten nach Nordosten. Den alten Weißdorn stört das nicht, er hat sich „aerodynamisch“ angepasst.

Noch ein schönes Naturphänomen, das man bei einem Waldspaziergang beobachten kann, ist die Kronenschüchternheit. Was für ein poetischer Fachterminus!

„Wenn man in einem ausgewachsenen Wald durch die Bäume nach oben schaut, sieht man zwischen den einzelnen Kronen jeweils einen schmalen Streifen Himmel; dieser Effekt wird ’Kronenschüchternheit‘ genannt.“

Denn wenn sich Äste überlappen, reiben sie aneinander, was schlecht für das Wachstum ist. Bäume versuchen deshalb, diese Berührungen weitestgehend zu vermeiden.

Tristan Gooley, Die Landkarte der Bäume, Dumont BuchverlagMan könnte noch viele interessante Beispiele aus diesem sehr informativen Buch bringen. Machen wir aber nicht, weil wir zum selber Lesen animieren wollen. Nur so viel: Am Ende gibt es eine kleine, verständliche Baumkunde zur besseren Bestimmung und dazu ein Dutzend Seiten Anmerkungen und weiterführende Literatur.

Wer mehr über Bäume und ihre faszinierenden Eigenschaften erfahren möchte, aber keine Zeit für eine mehrjährige Ausbildung zum Dendrologen (Baumkundler) hat, ist mit dem Buch von Tristan Gooley bestens versorgt. Es wäre schön, wenn die Baumumarmer unter unseren Politikern wenigstens ein paar Seiten darin lesen würden. Vielleicht würden sie dann zweimal nachdenken, bevor sie ganze Waldstücke zur Rodung freigeben, nur damit irgendein Autobahnabschnitt um zwei Spuren verbreitert werden kann.

„Wer möchte Leben ohne den Trost der Bäume!“ (Günter Eich)

NK | CK

Buchinformation

Tristan Gooley
Die Landkarte der Bäume. Die Natur lesen und unsere Welt besser verstehen
aus dem Englischen von Sofia Blind
DuMont Buchverlag, Köln, 2026
ISBN: 978-3-7558-0094-1

#SupportYourLocalBookstore

Schöne Postkarte Nr. 133 · Der Trost der Bäume · © Schöne Postkarten, Tübingen

Schöne Postkarte Nr. 133 · Der Trost der Bäume · © Schöne Postkarten, Tübingen

Permalink

off

Fahle Farben: Herbst 2026

Als hätte jemand mit Photoshop die Sättigung rausgenommen: Herbst 2026. Foto: Corinna Kern

Als hätte jemand mit Photoshop die Sättigung rausgenommen: Herbst 2026. Foto: Corinna Kern

Herbstwald –
Tristesse in
fahlen Farben

Haiku Kranō

Trockenheit und Hitze der letzten Monate haben der Natur so zugesetzt, dass die Herbstfärbung der Bäume in diesem Jahr fahl und ungesund wirkt. Leuchtende Herbstfarben sucht man vergebens. Wie es mit der Bodenfeuchte aktuell aussieht, zeigt der Dürremonitor des Helmholtz-Instituts.

NK | CK

Permalink

off

„Marzahn, mon amour“ – von Menschen und Füßen

Wunderwerk Fuß: Ferse, Sohle, Längsgewölbe, Spann, Zehen

Wunderwerk Fuß: Ferse, Sohle, Längsgewölbe, Spann, Zehen

So viele Füße, so viele Geschichten

Die mittleren Jahre, in denen du weder jung noch alt bist, sind verschwommene Jahre. Du kannst das Ufer nicht mehr sehen, von dem du einst gestartet bist, und jenes Ufer, auf das du zusteuerst, erkennst du noch nicht deutlich genug.

So beginnt „Marzahn, mon amour – Geschichten einer Fußpflegerin“, ein Buch, das wir vor zwei, drei Wochen auf einem Verschenk-Tisch in der Nachbarschaft entdeckt haben. Verschenk-Tische oder Bücherschränke sind überhaupt eine tolle Erfindung, man entdeckt da immer wieder Bücher, nach denen man nicht gesucht hat. Und manchmal sind echte Perlen darunter. „Marzahn, mon amour“ ist so eine Perle!

Die Ich-Erzählerin, eine Schriftstellerin in den mittleren Jahren, ist etwas verzweifelt ob ihrer aktuellen Lebenssituation. Der Mann ist krank, das Kind aus dem Haus, und die Verlage sind nicht mehr interessiert an ihren Manuskripten. Sie entschließt sich, etwas ganz Neues zu machen, weg vom Literaturbetrieb, weg von Köpfen, bekannten Gesichtern, gut gemeinten Ratschlägen. Sie macht eine Ausbildung zur Fußpflegerin. Alleine diese Entscheidung nötigt Respekt ab!

Nach mehreren Wochen Ausbildung besteht sie die Prüfung und fängt in einem Fußpflegestudio im Berliner Ortsteil Marzahn an. Marzahn war einst das größte Plattenbaugebiet der DDR, eine riesige Siedlung, die heute mehr als 200.000 Einwohner zählt. Über Marzahn kursieren wahrscheinlich mehr Klischees als es dort Hochhäuser gibt.

Als ich im Kosmetikstudio anfing, gehörte Herr Paulke zu meinen ersten Kunden. Während der ersten Behandlung fragte er mich lachend: »Wissense wo Se hier sind? Uff de Scheiße von Berlin. Dit warn früher allet Rieselfelder, und denn hamse Hochhäuser hinjeklotzt. Wo de Erde umffjebuddelt ist, könnset noch riechen.«

So sammelt die Erzählerin nicht nur immer mehr Erfahrungen im Umgang mit Füßen, Zehen, Hornhaut, Hühneraugen oder eingewachsenen Nägeln, sondern auch die Lebensläufe und Geschichten ihrer Kundinnen und Kunden.

Nägel feilen, Hornhaut hobeln, genau zuhören

Es sind diese Geschichten und Dialoge, die dieses schmale Buch zu einem Schatz voller Menschlichkeit machen. Denn während die Fußpflegerin sorgsam Nägel feilt, Hornhaut abhobelt oder mal wieder die Füße eines schlecht gelaunten ehemaligen DDR-Funktionärs massiert, hört sie mit Empathie zu, wenn die Kundinnen auf dem sogenannten Thron ihr Herz ausschütten. Was sie zu hören bekommt, ist interessant, amüsant, traurig, witzig, warmherzig, melancholisch, mitunter bitter und hart, aber auch oft Mut machend.

So wie die Geschichte von Gerlinde Bonkat, Jahrgang 1938, geboren in Königsberg, Vertreibung und Flucht über die Ostsee, Flüchtlingslager in Dänemark, später Auffanglager in der DDR:

Heute ist Gerlinde Bonkat achtzig Jahre alt. Sie wohnt in der zehnten Etage eines Marzahner Elfgeschossers in der Nähe unseres Studios. Frau Bonkat und ich haben eine Sonderregelung: Alle zwei Wochen kommt sie für eine halbe Stunde zu mir.

Die Erzählerin montiert die präzise erzählte, berührende Lebensgeschichte von Gerlinde Bonkat zwischen die detaillierte Schilderung der fußpflegerischen Tätigkeiten, die sie der alten Frau mit großer Vorsicht und gar etwas Zärtlichkeit angedeihen lässt.

Es ist sprachlich und inhaltich überzeugend, wie Katja Oskamp in diesem Buch den Menschen eine Stimme gibt, die sonst nicht gehört und (nicht nur von Politikern) einfach übersehen werden. Sie tut dies mit Zugewandtheit und Respekt, aber niemals anbiedernd.

Ich verneige mich vor der Lebensleistung von Gerlinde Bonkat, weil es sonst niemand tut. Sie hat jede Chance ergriffen, um den verpfuschten Start ins Leben auszugleichen. Sie hat nie einem Staat auf der Tasche gelegen und verteidigt ihre Selbstständigkeit bis zum heutigen Tag. Sie ist ein Flüchtling, der in der aktuellen Statistik nicht vorkommt und der in seinem Leben sehr wenige Paar Schuhe besessen hat. Erst aus Armut, dann aus Sparsamkeit und jetzt, weil ein eingetragenes Paar Schuhe Gold wert ist.

Wir haben beide das Lesen genossen!

NK | CK

Buchinformation

Katja Oskamp
Marzahn, mon Amour
Suhrkamp Taschenbuch, 2025
ISBN 978-3-518-47131-9

Katja Oskamp liest aus ihrem Buch

Interview mit Katja Oskamp

Permalink

off

Tübinger Rechenzentrum

Garantiert klimaneutral und umweltfreundlich ist dieses Rechenzentrum in Tübingen

Garantiert klimaneutral und umweltfreundlich ist dieses Rechenzentrum in Tübingen

Heilsbringer?

Wie kaum eine Technologie zuvor wird gerade die Künstliche Intelligenz (KI; englisch AI) von den Techfirmen aus dem Silicon Valley als Wundermittel (mit ungeahnten Nebenwirkungen!) verkauft, mit dem sich all unsere Probleme lösen lassen sollen: Klima, Bildung, Gesundheit, einfach alles.

Mark Zuckerberg, skrupelloser Chef des Meta-Konzerns (Facebook, Instagram, WhatsApp etc.) ist fest davon überzeugt, dass jede und jeder von uns Zugang zu einer persönlichen Superintelligenz haben sollte, denn nur dies sei der Schlüssel zu einer positiven Zukunft. (Quelle: Facebook, Zuckerberg, 8. August 2026).

Zweifelsohne ist der Einsatz von KI in bestimmten Bereichen sinnvoll. Die Medizin ist so ein Bereich, zum Beispiel wenn es darum geht, personalisierte Therapien in kürzester Zeit zu entwickeln. Ob dieser ganze KI- und Rechenzentren-Hype in seiner aktuellen Dimension allerdings gerechtfertigt ist, darf man aber schon mal fragen. Und ob Rechenzentren und KI zum „Stabilitätsanker der deutschen Wirtschaft“ werden, wie Wirtschaftsministerin Reiche immer wieder behauptet, darf bezweifelt werden.

Energiefresser!

Nichtsdestotrotz schreitet der Bau von Rechenzentren auch in Deutschland munter voran. Allerdings verweisen Kritiker*innen immer wieder auf den enormen Ressourcenverbrauch (Wasser, Strom, Land) dieser gigantischen Anlagen.

„Im Jahr 2025 verbrauchten Rechenzentren in Deutschland rund 21 TWh Strom. Das entspricht etwa dem Stromverbrauch mittelgroßer Bundesländer wie Hessen oder Rheinland-Pfalz. Global verbrauchen Rechenzentren schon jetzt ungefähr so viel Strom wie alle Menschen in Deutschland zusammen.“
(Quelle: Heisse Luft Kollektiv)

Ein 100 Megawatt Rechenzentrum in den USA verbraucht lt. der Internationalen Energieagentur IEA  2 Millionen Liter Wasser pro Tag!

Kein Wunder, dass selbst in den USA Fragen und Proteste zu KI und Rechenzentren immer lauter werden. Vor allem auch vor dem Hintergrund, dass der gewaltige Energiehunger der meisten Rechenzentren mit Gas- oder Atomkraftwerken gedeckt werden soll.

Wer sich ausführlich informieren möchte, wo in Deutschland Rechenzenten geplant oder bereits gebaut werden, und welche Folgen das für die Umwelt hat, dem sei diese sehr informative Webseite des Heisse-Luft-Kollektivs empfohlen. Da gibt es interaktive Karten und jede Menge recherchierter Fakten.

Und wir bringen jetzt unser garantiert klimaneutrales Rechenzentrum im Garten zum Einsatz!

NK | CK

Permalink

1

Freitagsfoto: Der Riss

Interessant wird’s oft erst, wenn man hinter die Glitzerfassaden blickt

Interessant wird’s meist abseits der leblosen, austauschbaren Glitzerfassaden

Letzte Woche waren wir kurz in Mannheim, zum ersten Mal. Der Sohn studiert jetzt da. Schon auf den ersten Blick ist das eine interessante Stadt mit jeder Menge Kultur, Geschichte und besonderen Quartieren wie zum Beispiel dem Jungbusch. Ein altes Viertel zwischen dem Rhein im Westen und dem Neckar im Norden.

Entstanden ist der Jungbusch, so die Stadt Mannheim auf ihrer Webseite, im Jahr 1870 als gründerzeitliche Erweiterung direkt im Gebiet des Handelshafens. Kaufleute, Reeder, Kapitäne und Arbeiter lebten und arbeiteten dort. In früheren Jahrzehnten als Rotlichtviertel bekannt, ist der Jungbusch heute ein multikulturell geprägtes Szeneviertel mit einem eigenen Quartiermanagement. 150 Nationen leben übrigens in der Mannheimer Innenstadt zusammen. Entsprechend lebendig, vielfältig und weltoffen ist die Atmosphäre und auch das Stadtbild.

Im Jungbusch entstand dieses Foto da oben von dem alten Gründerzeitbau. Da kommt einem natürlich sofort Leonard Cohen in den Sinn:

There is a crack in everything
That’s how the light gets in

Anthem (Hymne) heißt dieses Lied, das Leonard Cohen (1934 – 2016) 1992 geschrieben hat. Es ist eine Absage an den Perfektionismus, an das Glatte und Gefällige und gleichzeitig eine Lobeshymne auf das Unvollkommene in der Welt und im Leben von uns allen. Ein wunderbares Lied, hier von Cohen live 2008 in London gesungen:

Schönes Wochenende!

CK | NK

Permalink

off

Freitagsfoto: Sonne

In 103 Tagen ist Wintersonnenwende, dann ist es wieder länger hell

In 103 Tagen ist Wintersonnenwende, dann ist es wieder länger hell

Licht in dunkler Zeit

„Man sieht die Sonne langsam untergehn und erschrickt doch, wenn es plötzlich dunkel ist.“

Dieses Zitat wurde lange Franz Kafka zugeschrieben. Forscher*innen der Universität Bielefeld haben allerdings keinen Beleg für diesen Satz in Kafkas Werken gefunden.

Der kluge Satz hat aber Eingang in das schöne Fotoprojekt „Licht in dunkler Zeit“ gefunden. 24 Zitate, dazu 2 x 24 Fotos. Kann man das ganze Jahr anschauen, eignet sich aber auch wunderbar als Adventskalender im Format DIN A3. Bei Interesse freuen wir uns über eine Mail. Infos auch hier.

Wenn die Demokratie untergeht

Wie die Sonne kann auch die Demokratie untergehen, aber wenn sie mal weg ist, kommt sie nicht so schnell wieder zurück wie die Sonne. Die Tatsache, dass weltweit die Demokratiefeinde ungebremsten Zulauf bekommen, ist besorgniserregend. Und geradezu absurd wird es, wenn im Jahr 2026 in Deutschland, einem der stabilsten Länder der Welt, Menschen ernsthaft behaupten, dies wäre keine Demokratie mehr, sondern eine Diktatur.

Wer sich näher mit dem Themenkomplex Faschismus und Diktatur befassen möchte, dem sei das schmale Buch „Der ewige Faschismus“ von Umberto Eco (* 5. Januar 1932; † 19. Februar 2016) empfohlen. Die zentralen Themen der fünf kurzen Aufsätze sind: Faschismus und Totalitarismus, Integration und Intoleranz, Migration und Europa, Identität, das Eigene und das Fremde. Ziemlich aktuell liest sich das, was Eco da in verschiedenen Reden ausgeführt hat. Sehr lesenswert ist auch das Vorwort von Roberto Saviano (Gomorrha, Falcone):

„Eco zeigt, was für ein riesiger Fehler es ist, den Faschismus als ausschließlich historisches Phänomen zu begreifen.“

„Umberto Eco fehlt uns. Es fehlt sein Mut, diese Verschwörung von Hohlköpfen, die sich gerne als Populisten bezeichnen lassen, mit der Macht der Intelligenz zu demontieren.“

CK | NK

Buchinformation

Umberto Eco
Der ewige Faschismus. Vorwort von Roberto Saviano
Übersetzt aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber
80 Seiten Hardcover, Hanser Verlag, 10 Euro
ISBN 978-3-446-26576-9

#SupportYourLocalBookstore

 

Permalink

off

Glück, Glückseligkeit, Zufriedenheit

Den Lesekasten „Lesefreude“ haben wir in der Grundschule benutzt

Der Lesekasten „Lesefreude“ kam in den 50er und 60er Jahren in Schulen zum Einsatz

DAMIT ICH GLÜCKLICH WÄRE –

Das müßte sein von jenen blanken
Lenztagen einer, da die Kranken
man vor die dunklen Türen bringt.
Im Flieder ist ein Spatzenzanken,
weil keinem rechter Sang gelingt.
Der Bach, dem alle Bande sanken,
weiß nicht, was tun vor Glück, und springt
bis aufwärts zu den Bretterplanken,
dahinter Beete, kiesumringt,
und Blumenblühn und Birkenschwanken.
Und vor dem Häuschen, goldbezinkt,
um das der Frühling seine Ranken
wie liebeleise Arme schlingt, –
ein blondes Kind, das in Gedanken
das schönste meiner Lieder singt.

Rainer Maria Rilke (* 4. Dezember 1875; † 29. Dezember 1926)

Was ist das, Glück?

Diese Frage hat sich offensichtlich auch der große Rainer Maria Rilke gestellt, dessen Todestag sich am 29. Dezember zum hundertsten Mal jährt. Für ihn scheint Glück darin zu bestehen, zumindest in diesem frühen Gedicht, einem Kind zuzuschauen, das – womöglich glücklich? –  in Gedanken versunken, eines seiner Lieder singt.

Was Glück und Glückseligkeit bedeuten, damit beschäftigt sich der Philosoph Rainer Schäfer, der an der Universität Bonn lehrt. Schäfer war vor ein paar Tagen zu Gast bei Jürgen Wiebicke im Philosophischen Radio auf WDR 5, eine Sendung, die wir gerne empfehlen. Schäfer und Wiebicke haben sich unter anderem mit diesen interessanten Fragen befasst:

  • Warum wir Glück zulassen, aber nicht herstellen können
  • Warum Glück nicht berechnet werden kann
  • Wie Glück und Neid zusammenhängen
  • Warum der Mensch nach Glück strebt

Es war ein ganz munteres, hörenswertes Gespräch, das man hier nachhören kann.

Flohmarkt-Glück am frühen Morgen in der Tübinger Uhlandstraße

Flohmarkt-Glück am frühen Morgen in der Tübinger Uhlandstraße

Ist Glück ein Flohmarkt?

„Glück ist wie ein Flohmarkt, auf dem Du unter all den vielen Dingen das passende Schnäppchen findest.“

So ein Flohmarkt ist in der Tat für viele Menschen eine Glücksquelle. Da braucht man nicht mal etwas finden, es reicht schon das Schlendern an den Ständen entlang, ein nettes Gespräch, ein Gegenstand, der Erinnerungen wachruft. Und wenn man dann doch noch etwas Schönes findet, dann kann man sich über diesen glücklichen Zufallsfund noch viele Jahre freuen.

NK | CK

PS: Morgen, am 4. September 2026 findet wieder der nette Flohmarkt in der Tübinger Uhlandstraße statt. Ein Glück für viele Tübingerinnen und Tübinger. Für uns auch!

„Valley′s deep and the mountains so high...“ – plötzlich war der Text wieder da

„Valley′s deep and the mountains so high…“ – und plötzlich ist der Text wieder da

 

 

 

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner